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Eine Darstellung der BGH-Rechtsprechung in Strafsachen



 



Entscheidungen des Bundesgerichtshofs mit Bezug auf die
Internationale Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation (ICD)



Überblick zur Darstellung
F 0 - Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
    F 01 - Vaskuläre Demenz
    F 07 - Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung
     oder Funktionsstörung des Gehirns
F 1 - Psychische- und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
    F 10 - Störungen durch Alkohol
    F 11 - Störungen durch Opiate
    F 12 - Störungen durch Cannabinoide
    F 14 - Störungen durch Kokain
    F 15 - Störungen durch andere Stimulanzien
    F 17 - Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak
    F 19 - Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper
     Substanzen
F 2 - Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
    F 20 - Schizophrenie
    F 21 - Schizotype Störung
    F 22 - Anhaltende wahnhafte Störung site sponsoring
    F 23 - Akute vorübergehende psychotische Störungen
    F 25 - Schizoaffektive Störung
F 3 - Affektive Störungen
    F 31 - Bipolare affektive Störung
    F 32 - Depressive Episode
    F 33 - Rezidivierende depressive Störung
F 4 - Neurotische, Anpassungs-, Belastungs- und somatoforme Störungen
    F 43 - Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
F 6 - Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
    F 60 - Spezifische Persönlichkeitsstörungen
    F 61 - Kombinierte und sonstige Persönlichkeitsstörungen
    F 63 - Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
    F 65 - Störungen der Sexualpräferenz
    F 68 - Andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F 7 - Intelligenzstörung
    F 70 - Leichte Intelligenzminderung
    F 71 - Mittelgradige Intelligenzminderung
F 8 - Entwicklungsstörungen
    F 81 - Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten
F 9 - Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
    F 90 - Hyperkinetische Störungen
    F 91 - Störungen des Sozialverhaltens
    F 92 - Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen
    F 93 - Emotionale Störungen
    F 95 - Ticstörungen


 
 


F 0
(Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen)




F 01 - Vaskuläre Demenz

„hirnorganischen Persönlichkeitsstörung“, offenbar im Sinne einer seelischen Erkrankung gemäß §§ 20, 21 StGB (ICD 10 F 01.2) BGH, Urt. v. 13.3.2007 - 1 StR 601/06   




F 07 - Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns

hirnorganische Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 07.0); BGH, Beschl. v. 11.12.2006 - 5 StR 457/06
angeborene pathologische Intelligenzminderung (IQ: 55): BGH, Beschl. v. 23.9.2003 - 4 StR 272/03


    siehe auch: § 20 StGB Rdn. 63
  
 



F 1
(Psychische- und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen)




F 10 - Störungen durch Alkohol

schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD 10, F 10.1)
vgl. etwa BGH, Urt. v. 13.3.2012 - 5 StR 497/11

schädlicher Gebrauch von Alkohol und Drogen (ICD 10, F 10.1)
vgl. BGH, Beschl. v. 23.1.2013 - 5 StR 635/12

schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD 10, F 10.1)
vgl. BGH, Urt. v. 12.6.2013 - 1 StR 48/13

schädlicher Gebrauch von Alkohol gemäß ICD 10 F10.1
vgl. BGH, Urt. v. 15.5.2014 - 3 StR 386/13

Alkohol, Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD 10, F 10.2);
vgl. BGH, Beschl. v. 8.7.2009 - 2 StR 227/09; BGH, Beschl. v. 1.9.2004 - 2 StR 268/04: sog. "süchtiges Trinken" (sogenannter gamma-Typ), welches durch Kontrollverluste beim Trinken gekennzeichnet ist; BGH, Urt. v. 26.4.2007 - 4 StR 7/07 - NStZ-RR 2008, 274; BGH, Beschl. v. 27.1.2004 - 3 StR 479/03; BGH, Urt. v. 25.5.2016 - 5 StR 85/16

"chronischer Alkoholmissbrauch" im Sinne des ICD-10: F.10.2: BGH, Beschl. v. 3.2.2011 - 4 StR 673/10




F 11 - Störungen durch Opiate

Amphetamin und Ecstasy (ICD 10, F 11.1): BGH, Beschl. v. 27.1.2004 - 3 StR 479/03




F12 - Störungen durch Cannabinoide

Cannabis (ICD 10, F 12.2); BGH, Beschl. v. 27.1.2004 - 3 StR 479/03

Abhängigkeit von Cannabinoiden (ICD-10 F12.2)
BGH, Beschl. v. 19.4.2016 - 3 StR 566/15

Cannabis- und Kokainmissbrauch (ICD-10 F12.1, F14.1); BGH, Beschl. v. 3.6.2015 - 4 StR 167/15

paranoiden Schizophrenie (ICD 10: F 20.01) und Abhängigkeit von Cannabinoiden und Amphetaminen mit ständigem Substanzgebrauch (ICD 10: F 12.25)
BGH, Beschl. v. 15.10.2013 - 3 StR 215/13
  




F 14 - Störungen durch Kokain

Kokain (ICD 10, F 14.1 und F 14.2); BGH, Beschl. v. 27.1.2004 - 3 StR 479/03




F 15 - Störungen durch andere Stimulanzien

massive psychotische (Über-)Reaktion des Beschuldigten von einiger Dauer auf eingenommene
Suchtmittel. Diese ist - bei psychiatrischer Diagnose einer substanzinduzierten psychotischen Störung (im Sinne von DSM-IV 292.11 bzw. 12, ICD-10 F 15.51 bzw. 52), ungefähr vergleichbar mit einer Alkoholüberempfindlichkeit, krankhafte seelische Störung.
BGH, Urt. v. 1.2.2005 - 5 StR 540/04
 




F 17 - Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak

Nikotinabhängigkeit (ICD 10, F. 17.25)
vgl. BGH, Urt. v. 12.6.2013 - 1 StR 48/13
 




F 19 - Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen

Psychische und Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch, schädlicher Gebrauch (ICD 10 F 19.1)
BGH, Beschl. v. 13.1.2010 - 5 StR 510/09

multipler Gebrauch psychotroper Substanzen (ICD-10 F19.2  (Polytoxikomanie)),
BGH, Beschl. v. 10.8.2007 - 2 StR 344/07; BGH, Urt. v. 13.12.2005 - 1 StR 410/05 - NStZ 2006, 444; BGH, Urt. v. 25.10.2011 - 4 StR 455/11

Schizoaffektive Psychose (ICD-10 F25) und langjährige Polytoxikomanie (ICD-10 F19)
BGH, Beschl. v. 24.10.2013 - 3 StR 349/13

Dissoziale Persönlichkeitsstörung, die noch durch einen multiplen Substanzgebrauch, den Konsum anderer Substanzen bei bestehendem Abhängigkeitssyndrom (Polytoxikomanie, ICD-10: F 19.2) und einen Alkoholmissbrauch im Sinne eines schädlichen Gebrauchs (ICD-10: F 10.1) verstärkt
BGH, Beschl. v. 11.2.2015 - 4 StR 498/14

psychische Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen nach ICD-10 F 19.20
BGH, Urt. v. 18.12.2007 - 1 StR 411/07 - StV 2008, 138

neben der Polytoxikomanie (ICD 10: F 19.21 und F 10.21) bestehender medizinisch so genannten Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störungen (mit residualer Persönlichkeits- und Verhaltensstörung, ICD 10: F 10.71)
BGH, Beschl. v. 21.12.2010 - 4 StR 540/10




F 2
(Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen) 

 

F 20 - Schizophrenie

paranoide Schizophrenie (ICD 10: F 20.0) mit (noch) episodisch remittierendem Verlauf
BGH, Urt. v. 21.9.2000 - 1 StR 124/00 - NStZ-RR 2001, 238; BGH, Beschl. v. 17.10.2007 - 2 StR 462/07; BGH, Beschl. v. 31.8.2010 - 3 StR 260/10; vgl. auch BGH, Beschl. v. 10.8.2010 - 3 StR 268/10 (Paranoide Schizophrenie mit Ausbildung eines Residuums; BGH, Urt. v. 28.8.2012 - 5 StR 295/12: paranoide Schizophrenie mit schweren inhaltlichen und formalen Denkstörungen, Beeinträchtigung der Realitätswahrnehmung und hirnorganischen Leistungsminderungen; „chronifiziert paranoide Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“).
paranoide Schizophrenie (ICD-10: F 20.0), die mit ängstlich-depressiven Stimmungsveränderungen, wahnhaften Erlebnisweisen, Denkstörungen sowie ausgeprägtem sozialem Rückzug und Antriebsstörungen einhergeht
BGH, Beschl. v. 20.9.2010 - 4 StR 395/10 - NStZ-RR 2011, 78

paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20), schizophrenes Residuum (ICD-10 F20.5) sowie psychische Störung durch multiplen Substanzgebrauch (ICD-10 F19.1)
BGH, Beschl. v. 29.4.2014 - 3 StR 171/14

chronisch gewordene schwere Psychose aus den schizophrenen Formenkreis gemäß ICD-10 F 20.0. Typische Symptome der Erkrankung sind ein paranoides Wahnerleben und Störungen der Impulskontrolle
BGH, Urt. v. 10.12.2014 - 2 StR 170/14

Chronische paranoide Schizophrenie (ICD 10: F. 20.0)
BGH, Beschl. v. 16.12.2015 - 4 StR 294/15

paranoiden Schizophrenie gemäß ICD-10 F 20.0 als führendes psychiatrisches Krankheitsbild und Alkoholabhängigkeitssyndrom gemäß ICD-10 F 10.2; typische Symptome seiner Erkrankung sind ein halluzinatorisches Erleben, ausgeprägte formale Denkstörungen sowie  Affektstörungen mit Reizbarkeit und Störungen der Impulskontrolle
BGH, Urt. v. 10.4.2014 - 4 StR 47/14

schizophrene Spektrumserkrankung (ICD 10: F 20.0), zum Tatzeitpunkt in einem akut polymorph psychotischen Zustandsbild im Sinne einer akuten Psychose (ICD 10: F 20.0)
BGH, Beschl. v. 19.4.2016 - 3 StR 67/16

hebephrene Schizophrenie (ICD-10: F.20.1)
BGH, Beschl. v. 2.12.2011 - 5 StR 419/11

paranoiden Schizophrenie (ICD 10: F 20.01) und Abhängigkeit von Cannabinoiden und Amphetaminen mit ständigem Substanzgebrauch (ICD 10: F 12.25)
BGH, Beschl. v. 15.10.2013 - 3 StR 215/13

chronifizierte Schizophrenie, am ehesten in der Subklassifizierung als undifferenzierte Schizophrenie (ICD 10: F 20.3)
BGH, Beschl. v. 14.12.2011 - 5 StR 488/11

schizophrene Psychose des Typs undifferenzierte Schizophrenie (ICD 10 F 20.3)
Neben formalen und inhaltlichen Denkstörungen treten massive Affektstörungen und paranoide Symptome auf. Die Persönlichkeit weist darüber hinaus autistische Züge auf (vgl. BGH, Beschl. v. 19.12.2012 - 4 StR 417/12).

endogene Psychose aus dem "schizophrenen Formenkreis" (ICD-10 F20.0 bzw. 23.0)
Wahnhafte Verkennung und Verarbeitung der Realität sowie ein wahnhaftes Verfolgungserleben; wechselhafte Stimmung mit unvermittelt gereiztem sowie aggressivem Verhalten
vgl. BGH, Beschl. v. 16.9.2014 - 3 StR 372/14

   siehe hierzu auch: § 20 StGB Rdn. 40 - Schizophrenie
 
? sog. Erotomanie („isolierter Liebeswahn“)
Es liege bei der Beschuldigten ein chronifizierter Wahn vor. Ihr zentrales Wahnthema bestehe darin, dass eine andere Person geliebt werde und die Beschuldigte davon ausgehe, von dieser Person ebenfalls geliebt zu werden (vgl. BGH, Beschl. v. 6.3.2013 - 1 StR 654/12). Bezeichnung der Störung als „Erotomanie“ (isolierter Liebeswahn) lässt sich nicht erkennen, um welche Art von Erkrankung es sich bei der Beschuldigten konkret handelt. Der Liebeswahn als solcher ist in den anerkannten Klassifizierungsinstrumenten wie dem ICD 10 nicht erfasst. Die von dem Sachverständigen als Erotomanie bezeichnete, als Wahn beschriebene Störung mag sich als schizophrene Psychose (ICD 10 F 20.3; siehe BGH, Beschl. v. 19.12.2012 - 4 StR 417/12) darstellen und kann dann je nach konkretem Krankheitsbild zu einem Ausschluss der Schuldfähigkeit führen (BGH, Beschl. v. 6.3.2013 - 1 StR 654/12; vgl. BGH, Beschl. v. 19.12.2012 - 4 StR 417/12).
 




F 21 - Schizotype Störung

"schizotype Störung" (ICD-10, F 21) oder eine "schizophrenia simplex" (ICD-10, F 20.6)
BGH, Beschl. v. 12.11.2004 - 2 StR 367/04 - NStZ 2005, 205




F 22 - Anhaltende wahnhafte Störung

"anhaltende wahnhafte Störung" (ICD-10, F 22)
- seit Mitte der 90er Jahre aufgebaute Verschwörungstheorie, das alle dem Beschuldigten nur Böses wollen. In seinem Kampf gegen die empfundene Ungerechtigkeit ignoriere er jegliche Konsequenzen für sich und andere.
BGH, Beschl. v. 22.2.2011 - 4 StR 654/10
"wahnhafte Störung" (ICD 10, F 22)
BGH, Beschl. v. 16.5.2012 - 3 StR 33/12
Angeklagter litt seit Jahren an einem drogeninduzierten paranoiden Zustandsbild (ICD 10: F 22.0), aufgrund dessen er aggressiv gestimmte Wahnideen namentlich gegenüber einer Person entwickelte und sich von dieser verfolgt sowie bedroht fühlte (vgl. BGH, Beschl. v. 25.4.2013 - 5 StR 104/13).

Auf einer wahnhaften Störung (ICD-10: F22.0) oder einer paranoiden Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) beruhende „andere schwere seelische Abartigkeit“ oder eine durch eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0) bedingte „krankhafte seelische Störung“ (vgl. BGH, Beschl. v. 18.11.2013 - 1 StR 594/13).

Anhaltend wahnhafte Störung (ICD-10: F22.8): Wahrnehmung von Stimmen aus dem Radio, die schlecht über ihn sprechen und ihn beleidigen
BGH, Beschl. v. 29.6.2016 - 1 StR 254/16

  siehe hierzu auch: § 20 StGB Rdn. 45 - Krankheitsbedingte Wahnvorstellungen

 




F 23 - Akute vorübergehende psychotische Störungen

endogene Psychose aus dem "schizophrenen Formenkreis" (ICD-10 F20.0 bzw. 23.0)
Wahnhafte Verkennung und Verarbeitung der Realität sowie ein wahnhaftes Verfolgungserleben; wechselhafte Stimmung mit unvermittelt gereiztem sowie aggressivem Verhalten
vgl. BGH, Beschl. v. 16.9.2014 - 3 StR 372/14

Akute polymorphe psychotische Störung (ICD-10 F.23.1.)
Wahnhaften Vorstellung des Beschuldigten, bereits mehrfach gelebt zu haben und in einem seiner früheren Leben mit der Zeugin verlobt gewesen und auch aktuell noch mit ihr verlobt zu sein.
vgl. BGH, Beschl. v. 21.12.2016 - 1 StR 594/16
 




F 25 - Schizoaffektive Störung

mittelschwere schizoaffektiven Psychose (ICD F 25.0)
- akute schizomanische Episode (ICD F 25.0)
- maniforme Symptomatik bei bekannter schizoaffektiver Psychose (ICD F 25.0)
BGH, Urt. v. 18.1.2006 - 2 StR 394/05

Akute schizoaffektive Psychose
BGH, Beschl. v. 19.4.2011 - 3 StR 111/11

Schizoaffektiven Störung (ICD 10: F 25.0)
BGH, Beschl. v. 21.11.2013 - 2 StR 477/13

Schizoaffektive Psychose (ICD-10 F25) und langjährige Polytoxikomanie (ICD-10 F19)
BGH, Beschl. v. 24.10.2013 - 3 StR 349/13

Schizoaffektive Psychose (ICD-10 F25)
BGH, Beschl. v. 3.6.2015 - 4 StR 167/15

?
"Dermatozoenwahn": Glaube, von Ungeziefer befallen zu sein (vgl. BGH, Beschl. v. 16.7.2003 - 1 StR 251/03).



F 3
(Affektive Störungen) 




F 31 - Bipolare affektive Störung

vgl. BGH, Beschl. v. 26.1.2010 - 5 StR 507/09; BGH, Urt. v. 12.4.2011 - 5 StR 467/10: bipolare affektive Störung, begleitet von Autismus, Tics, einer Panikstörung und Rauschmittelabusus




F 32 - Depressive Episode

mittelgradige depressive Episode nach ICD-10 F 32.1
BGH, Beschl. v. 10.1.2006 - 1 StR 533/05
affektive Störung im Sinne einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD 10: F 32.3)
BGH, Urt. v. 10.12.2009 - 4 StR 435/09 - NStZ-RR 2010, 105




F 33 - Rezidivierende depressive Störung

mittelschwere Depression (ICD-10 F33)
BGH, Urt. v. 24.6.2004 - 5 StR 306/03 - NStZ 2005, 153



F 4
(Neurotische, Anpassungs-, Belastungs- und somatoforme Störungen) 




F 43 - Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

Bei den sogenannten Anpassungsstörungen (ICD 10 F 43.2) handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebensereignis oder auch nach schwerer körperlicher Krankheit auftreten. Unter der Bezeichnung F 43.21, auf die der Sachverständige verwiesen hat, ist ein "leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation, der aber nicht länger als zwei Jahre dauert" beschrieben. Es liegt eher fern anzunehmen, dass eine solche, als "leichter depressiver Zustand" zu bewertende Befindlichkeit eines der Eingangsmerkmale des § 20 StGB erfüllt haben könnte (BGH, Urt. v. 26.4.2007 - 4 StR 7/07 - NStZ-RR 2008, 274; vgl. auch BGH, Urt. v. 5.7.2007 - 4 StR 540/06, wonach die Diagnose IC 1o F 43.21 das Tatgericht nicht veranlassen musste, ein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen sowie BGH, Beschl. v. 4.11.2003 - 1 StR 384/03 - wistra 2004, 139 "reaktiv-depressive Verstimmung nach ICD-10 F 43.21" ist ein "leichter depressiver Zustand, der nicht ohne nähere Begründung die Eingangsmerkmale des § 20 StGB erfüllt und geeignet ist, die Maßregelanordnung nach § 63 StGB zu rechtfertigen).

Bei den sog. Anpassungsstörungen (vgl. ICD-10 F 43.2) handelt es sich um eine Misch- bzw. Sammelkategorie mit einer vielgestaltigen und unspezifischen Symptomatik, die zumeist nicht mit stärkeren psychopathologischen Auffälligkeiten einhergehen (Lau/Kröber in Kröber/Dölling/Leygraf/Sass, Handbuch der forensischen Psychiatrie, Bd. 2, S. 510). Ein die Annahme einer schweren anderen seelischen Abartigkeit rechtfertigender Beeinträchtigungsgrad wird dabei nur in Ausnahmefällen erreicht (vgl. BGH, Urt. v. 14.8.2014 - 4 StR 163/14; BGH, Urt. v. 26.4.2007 - 4 StR 7/07 - NStZ-RR 2008, 274; BGH, Beschl. v. 4.11.2003 - 1 StR 384/03 - NStZ-RR 2004, 70, 71).

 
posttraumatische Belastungsstörungen im Sinne des ICD-10 F 43.1
vgl. BGH, Urt. v. 12.6.2002 - 2 StR 107/02; BGH, Urt. v. 9.10.2002 - 5 StR 42/02 - BGHSt 48, 34 - StV 2003, 74; BGH, Urt. v. 21.3.2002 - 5 StR 14/02

chronische Anpassungsstörung (ICD-10: F 43.2)
BGH, Beschl. v. 11.9.2008 - 4 StR 267/08 - NStZ 2009, 108
Nach der Beschreibung zu Kapitel ICD-10: F 43.2 beginnt die Störung im Allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis und die Symptome halten meist nicht länger als sechs Monate an (vgl. Dilling et al., Internationale Klassifikation psychischer Störungen - ICD 10 Kapitel V (F) 6. Aufl. [2008] S. 185).

Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD 10, F 43.22)
BGH, Beschl. v. 16.2.2005 - 5 StR 566/04

neurotische Erkrankung im Sinne einer Anpassungsstörung bei narzißtischer Persönlichkeitsstruktur... (ICD-10 F 43.24), die zu plötzlichen Impulshandlungen gerade auf sexuellem Gebiet führen" kann
BGH, Beschl. v. 8.4.1998 - 3 StR 25/98

Akute Lebenskrise bei abnormer Erlebnisverarbeitung (ICD-10 F 43.25) pathologische Trauerreaktion
BGH, Urt. v. 18.12.2007 - 1 StR 411/07 - StV 2008, 138



F 6
(Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen)   




F 60 - Spezifische Persönlichkeitsstörungen

Bei der in ICD-10 F 60.0 (DSM-IV 301.0) genannten Störungsgruppe „Persönlichkeitsstörung“ handelt es sich um einen Oberbegriff (vgl. BGH, Urt. v. 21.1.2004 - 1 StR 346/03 - BGHSt 49, 45 - NJW 2004, 1810)

paranoiden Persönlichkeitsstörung (ICD 10 F 60.0)
BGH, Urt. v. 3.7.2007 - 5 StR 37/07; BGH, Beschl. v. 12.7.2006 - 5 StR 215/06; vgl. auch BGH, Beschl. v. 13.8.2003 - 2 StR 243/03




schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD 10 F 60.1.)

Distanziertheit in sozialen Beziehungen, eingeschränkte emotionale Ausdrucksmöglichkeiten
BGH, Urt. v. 21.1.2004 - 1 StR 346/03  - BGHSt 49, 45 - NJW 2004, 1810

schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 60.1) - Störung äußere sich bei den Betroffenen in massiven Auffälligkeiten in der Emotionalität und im zwischenmenschlichen Kontakt (vgl. BGH, Beschl. v. 19.12.2012 - 4 StR 494/12).

schizoide Persönlichkeitsstörung ((ICD-10: F 60.1) - Von den in seinen Gedanken vorhandenen Phantasien angetrieben (vgl. BGH, Beschl. v. 10.11.2015 - 5 StR 421/15).




massive Persönlichkeitsstörungen (dissozial - ICD 10 F 60.2) und emotional instabil vom Borderline-Typ ICD 10 F 60.3)

(vgl. etwa BGH, Urt. v. 13.1.2010 - 2 StR 428/09 - NStZ 2010, 276). Diese Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch die deutliche Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren und wechselnder launenhafter Stimmung
BGH, Beschl. v. 5.11.2002 - 4 StR 419/02; BGH, Beschl. v. 25.2.2003 - 4 StR 30/03 - StV 2004, 264; BGH, Urt. v. 21.1.2004 - 1 StR 346/03 - BGHSt 49, 45 - NJW 2004, 1810; BGH, Urt. v. 13.12.2005 - 1 StR 410/05 - NStZ 2006, 444; BGH, Beschl. v. 7.2.2008 - 5 StR 609/07; vgl. auch BGH, Beschl. v. 9.2.2012 - 2 StR 460/11: dissoziale Persönlichkeitsstörung - vor allem fehlende Empathie, prägnant andauernde verantwortungslose Haltung und Missachtung sozialer Normregeln und Verpflichtungen, sehr geringe Frustrationstoleranz für aggressives und gewalttätiges Verhalten;  BGH, Urt. v. 13.3.2012 - 5 StR 497/11: dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.2) mit „Psychopathy“ sowie ein schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD 10: F 10.1) und von Cannabis.

dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2)
BGH, Beschl. v. 3.6.2015 - 4 StR 167/15; BGH, Beschl. v. 19.4.2016 - 3 StR 48/16

dissoziale Züge und emotional instabile Persönlichkeitsstruktur (ICD 10 F 60.3)
Störungsbild sei dadurch gekennzeichnet, dass der Angeklagte „seine Impulse und Gefühle ohne Rücksicht auf die Konsequenzen auslebe“. Überdies deute sein selbstverletzendes Verhalten darauf hin, dass bei ihm „die Untergruppe des Borderline-Typs“ vorliege (vgl. BGH, Beschl. v. 17.8.2011 - 5 StR 261/11)

emotional instabile Persönlichkeitsstruktur (ICD - 10 F 60.3)
BGH, Urt. v. 25.9.2001 - 1 StR 293/01; BGH. Urt. v. 17.6.2004 - 4 StR 54/04

emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F 60.30)
BGH, Beschl. v. 5.11.2002 - 4 StR 419/02; BGH, Beschl. v. 20.5.2003 - 4 StR 174/03; BGH, Beschl. v. 4.10.2006 - 2 StR 349/06; BGH, Urt. v. 9.3.2010 - 1 StR 554/09 - NJW 2010, 1539; BGH, Urt. v. 29.9.2015 - 1 StR 287/15

emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ auf Borderline-Organisationsniveau (ICD-10: F60.30 und F60.31)
BGH, Beschl. v. 21.11.2013 - 2 StR 463/13

Borderline-Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 60.31)
deutliche Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren und wechselnde launenhafte Stimmung
BGH, Beschl. v. 25.2.2003 - 4 StR 30/03 
 
Leitsätze:
StGB § 66b Abs. 1 Satz 1, Abs. 2; EGStGB Art. 316e Abs. 1; MRK Art. 5 Abs. 1 Satz 2 lit. e
1. Eine dissoziale Persönlichkeitsstörung unterfällt, auch wenn sie nicht die Voraussetzungen der §§ 20, 21 StGB erfüllt, dem Begriff der psychischen Störung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 lit. e MRK, § 1 Abs. 1 Nr. 1 ThuG und kann bei aus konkreten Umständen in der Person oder dem Verhalten des Verurteilten ableitbarer hochgradiger Gefahr schwerster Gewalt- oder Sexualstraftaten die nachträgliche Sicherungsverwahrung nach § 66b Abs. 2 StGB aF rechtfertigen (im Anschluss an BVerfG, Urteil vom 4. Mai 2011, BGBl. I S. 1003).
2. Die einschränkenden Maßgaben gemäß dem vorgenannten Urteil des Bundesverfassungsgerichts beanspruchen jedenfalls in „Altfällen“ auch für die nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung nach § 66b Abs. 1 Satz 1 StGB aF Gültigkeit.
BGH, Urteil vom 21. Juni 2011 – 5 StR 52/11 - LG Potsdam




Histrionische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.4)

 - starkes Angewiesensein auf Bewunderung, theatralische Verhaltensweisen in Verbindung mit dieser Geltungsssucht und Affekte zum Überziehen und Sichinszenieren
BGH, Urt. v. 24.6.2004 - 5 StR 306/03 - NStZ 2005, 153; BGH, Beschl. v. 3.5.2000 - 2 StR 629/99 - wistra 2000, 339




Persönlichkeitsstörung vom ängstlich-vermeidenden Typ (ICD-10 F 60.6)

vgl. BGH, Urt. v. 12.11.2009 - 4 StR 227/09 - NStZ 2010, 214

ängstlich vermeidende sowie abhängige asthenische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 60. 6 und 7)
BGH, Beschl. v. 26.11.2013 - 3 StR 331/13
 




Persönlichkeitsstörung infolge einer Abhängigkeit von einer anderen Person (ICD 10, F 60.7)

BGH, Beschl. v. 16.2.2005 - 5 StR 566/04




Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, zwanghaften und schizotypen Zügen (ICD-10 F 60.8)

vgl. BGH, Beschl. v. 3.4.2008 - 5 StR 525/07 - StV 2009, 524
Persönlichkeitsstörung im Sinne einer (tiefen) Selbstwertunsicherheit, sozialen Akzeptanzängsten mit Überkompensation in Richtung Erfolgs-, Geltungs- und Darstellungsstrebigkeit, teilweise ausufernd in Megalomanie und pseudologischen Verhaltensweisen im Sinne von ICD 10 F 60.8.
vgl. BGH, Beschl. v. 10.9.2002 - 1 StR 169/02




F 61 - Kombinierte und sonstige Persönlichkeitsstörungen

Schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 61.0) mit einem emotional instabilen und einem dissozialen Persönlichkeitsanteil, letzterer gekennzeichnet durch andauernde Verantwortungslosigkeit sowie durch das Unvermögen emotionale Beziehungen aufrecht zu erhalten und Schuldbewusstsein zu entwickeln, begleitet von einem völligen Fehlen von Empathie (BGH, Beschl. v. 9.5.2012 - 4 StR 120/12)

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unreifen, emotional instabilen, schizoiden und dissozialen Anteilen (ICD 10 - F 61.0)
BGH, Beschl. v. 5.11.2002 - 4 StR 419/02; BGH, Beschl. v. 18.1.2005 - 4 StR 532/04

kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 61) auf der Basis einer Lernbehinderung bzw. einer leichten Intelligenzminderung
BGH, Beschl. v. 15.9.2015 - 5 StR 311/15

Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 61.0) mit emotionaler Instabilität und mangelnder Impulskontrolle, narzisstischen, dissozialen und sadistischen Zügen und einer Alkoholabhängigkeit in einer beginnenden chronischen Phase
BGH, Beschl. v. 30.6.2010 - 2 StR 580/09

diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom (ICD 10: F 19.2), das sich erst auf der Basis einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 61.0) entwickelt hat, die durch eine latente Aggressionsbereitschaft, psychosoziale Desintegration und eine zunehmende dissoziale Entwicklung gekennzeichnet ist
BGH, Urt. v. 25.10.2011 - 4 StR 455/11 unter Hinweis auf Schalast in: Kröber/Dölling/Leygraf/Sass, Handbuch der Forensischen Psychiatrie Bd. 3 S. 341

schwere Persönlichkeitsstörung des emotional-instabilen Typus (ICD 10: F 61.0), die bereits seit früher Kindheit zu beträchtlichen Einschränkungen der gesamten Lebensführung bis hin zur Verwahrlosung geführt hat
BGH, Beschl. v. 13.12.2011 - 5 StR 422/11

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen Persönlichkeitsmerkmalen (ICD-10:F61.0), die sich in einem überhöhten Selbstbild, mangelndem Empathievermögen und besonderer Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen ausdrücke (vgl. BGH, Urt. v. 4.12.2012 - 1 StR 336/12).

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen narzisstischen Anteilen (ICD-10: F 61) sowie multiplem Substanzgebrauch (ICD-10: F 19.1)
BGH, Beschl. v. 6.5.2014 - 5 StR 168/14

kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.9) und Pädophilie (ICD-10: F65.4)
BGH, Beschl. v. 3.9.2015 - 1 StR 255/15




F 63 - Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

ICD-10 F 63.0
Angeklagter leidet an einer extremen Form pathologischen Spielens (ICD 10: F63.0), beruhend auf einer mittelgradigen kombinierten Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, depressiven und narzisstischen Zügen
BGH, Urt. v. 6.3.2013 - 5 StR 597/12
Diagnose pathologisches Glücksspiel (ICD 10F 63.0), BGH, Beschl. v. 17.9.2013 - 3 StR 209/13
pathologisches Spielen (ICD-10: F 63.0), BGH, Urt. v. 9.8.2016 - 1 StR 121/16

ICD-10 F 63.1: Pathologische Brandstiftung
BGH, Beschl. v. 30.9.2008 - 5 StR 305/08; vgl. auch BGH, Beschl. v. 27.11.2008 - 5 StR 526/08 - NStZ-RR 2009, 79
 




F 65 - Störungen der Sexualpräferenz

Störung der Sexualpräferenz im Sinne eines Exhibitionismus (ICD-10: F65.2) und schwere Persönlichkeitsstörung mit erheblicher Selbstwertproblematik, Selbstunsicherheit und Dependenz (ICD-10: F60.8)
BGH, Beschl. v. 15.7.2014 - 4 StR 228/14

Pädophilie
(ICD 10 F 65.4) ist eine von mehreren Störungen der Sexualpräferenz (vgl. Dilling, Mombour, Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 5. Aufl. S. 244 ff.; Venzlaff/Foerster, Psychiatrische Begutachtung 5. Aufl. S. 343 f.). Störung der Sexualpräferenz vom Prägnanztyp der Pädophilie (ICD 10 F 65.4)
BGH, Urt. v. 6.1.1998 - 5 StR 582 - 97 - NStZ 1999, 126; BGH, Beschl. v. 8.7.1999 - 4 StR 283/99 - StV 2000, 18;   BGH, Beschl. v. 10.10.2000 - 1 StR 420/00 - StV 2002, 18;  BGH, Beschl. v. 6.10.2005 - 3 StR 328/05; BGH, Urt. v. 28.8.2007 - 1 StR 268/07 - BGHSt 52, 31 - NJW 2008, 240; BGH, Beschl. v. 6.7.2010 - 4 StR 283/10; BGH, Urt. v. 7.8.2012 - 1 StR 98/12; vgl. auch BGH, Urt. v. 28.4.2015 - 1 StR 594/14

kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.9) und Pädophilie (ICD-10: F65.4)
BGH, Beschl. v. 3.9.2015 - 1 StR 255/15

   siehe hierzu auch: § 21 StGB Rdn. 55.1.3: Pädophilie / Abweichende Sexualpraktiken

multiple Störung der Sexualpräferenz (ICD-10 F65.6) mit einer sadistischen Komponente
BGH, Urt. v. 9.3.2010 - 1 StR 554/09 - NJW 2010, 1539




F 68 - Andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

„‘andere Persönlichkeitsstörung‘ im Sinne einer artifiziellen Störung in der Unterform der Pseudologie im Sinne von ICD-10: F 68.1
BGH, Beschl. v. 26.3.2014 - 2 StR 274/13




F 7

(Intelligenzstörung)




F 70 - Leichte Intelligenzminderung

leichte Intelligenzminderung (ICD-10: F70) und eine hierdurch bedingte unvollständige Persönlichkeitsstruktur sowie eine unreife Persönlichkeit (ICD-10: F69)
BGH, Beschl. v. 15.9.2011 - 2 StR 315/11




F 71 - Mittelgradige Intelligenzminderung

F71.1: Mittelgradige Intelligenzminderung : Deutliche Verhaltensstörung, die Beobachtung oder Behandlung erfordert
vgl. BGH, Beschl. v. 19.11.2014 - 4 StR 497/14: mittelgradige Intelligenzminderung mit deutlichen Verhaltensstörungen gemäß ICD 10 – F 71.1
 



F 8
(Entwicklungsstörungen) 




F 81 - Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten

kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten (ICD 10 - F 81.3). Bei der "kombinierten Störung schulischer Fertigkeiten" handelt es sich um eine "schlecht definierte, unzureichend konzeptualisierte Restkategorie" (Dilling/Mombour/Schmidt, Hrsg., ICD - 10 Kapitel V (F), 5. Aufl. S. 278 f.).
BGH, Beschl. v. 18.1.2005 - 4 StR 532/04

 
 



F 9
(Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend) 




F 90 - Hyperkinetische Störungen

Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung [-defizit] - ADHS (ICD 10: F 90.0)
BGH, Beschl. v. 1.9.2004 - 2 StR 268/04; BGH, Urt. v. 18.1.2011 - 1 StR 600/10 - NStZ 2011, 302: ADHS-bedingte Konzentrationsstörungen mit „Gedankengedränge“




hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD 10: F 90.1)

BGH, Beschl. v. 1.9.2004 - 2 StR 268/04; BGH, Urt. v. 13.1.2010 - 2 StR 428/09 - NStZ 2010, 276




F 91 - Störungen des Sozialverhaltens

schwere Störung des Sozialverhaltens mit Krankheitswert (ICD 10: F 91.0, 91.1, 91.2, 91.3)
BGH, Urt. v. 21.12.2006 - 3 StR 436/06
BGH. Urt. v. 17.6.2004 - 4 StR 54/04 (F 91.0)
 




F 92 - Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen

Sonstige kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen (ICD-10: F 92.8)
BGH, Beschl. v. 7.2.2013 - 3 StR 468/12 und BGH, Beschl. v. 4.2.2016 - 4 StR 493/15

Alkoholisierung in Verbindung mit einer kombinierten Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen (ICD 10: F 92.9) BGH, Beschl. v. 26.5.2009 - 4 StR 134/09 - NStZ 2010, 93
 




F 93 - Emotionale Störungen

schwere kindliche psychoneurotische Fehlentwicklung bei chronischer familiärer Belastungssituation (ICD 10: F 93.0: emotionale Trennungsangst im Kindesalter)
BGH, Urt. v. 21.12.2006 - 3 StR 436/06




F 95 - Ticstörungen

„Gilles-dela-Tourette-Syndrom“ (ICD10: F95.2); Störung der Stoffwechselvorgänge im Gehirn. Dieses führt zu ansteigenden inneren Spannungszuständen, die sich in - der willentlichen Steuerung weitgehend entzogenen - Tics schlagartig entladen.
BGH, Urt. v. 6.11.2007 - 1 StR 394/07

 


Entscheidungen des Bundesgerichtshofs mit Bezug auf die

Internationale Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation (ICD)
 
 




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